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6. September 2010

Kolumne: Dem Miraculix unter den Lehrenden in seinen Kochtopf geschaut

WissensWert Blog Carnival LogoDr. Michael Wesch ist wie ich Professor an einer Universität. Man kennt ihn durch das mehr als 11 Millionen Mal aufgerufene YouTube Video “Web 2.0 … The Machine is Us/ing us“. Wenn er unterrichtet, dann bereitet er aus den Zutaten, die das Ökosystem des Web-2.0 bereithält, einen Zaubertrank fürs Lehren und Lernen, der die Studierenden nicht nur knowledgeable, sondern knowledge-able macht.

M. Wesch beim Vortrag zu A Portal for Media LiteracyDas möchte ich auch können und habe ihm deshalb in den Kochtopf geschaut. Tun Sie das doch auch: Zum einen ist die Lernumgebung zu seinem Kurs “Mediated Cultures: Digital Ethnography” internetöffentlich (http://www.netvibes.com/wesch). Zum anderen erläutert Wesch seine Überlegungen und Rezeptur in einem Vortrag (hier das 1-stündige Video “A Portal to Media Literacy“, vom Juni 2008; diese mit Fotos, Videoszenen und Texten angereicherte Aufzeichnung ist sehenswert und fesselnd).

Das Thema der 15. Ausgabe des WissensWert Blog Carnival (Sept. 2010) mit der Frage “Verlieren LMS im Web 2.0 an Bedeutung ?” hat mich veranlasst, meine Notizen zu dem Vortrag hier auch internetöffentlich festzuhalten. Denn M. Weschs “Kursplattform” sieht so gar nicht nach den Learning Management Systemen (LMS) aus, wie sie an unseren Hochschulen verbreitet sind.

In den ersten 20 Minuten zeigt Wesch, dass wir Lehren und Lernen noch auf der Basis von Grundannahmen gestalten, die heute gar nicht mehr gelten, denn das Web schafft eine gänzlich andere Ausgangslage, wie Lehr- und Lernpraktiken heute gestaltet werden können. Wie das Bild “What these Walls say …” aus dem Video vermittelt, sind Informationen heute nicht mehr knapp. Dass Dozierende allein durch ihren Status die Autorität für Wissen und Wissensvermittlung gepachtet haben, gilt nicht mehr. Und die Lernenden müssen vom Lehrenden nicht auf vorgegebenen Lernpfaden einfach nur Wissen aufnehmen.

Aus M. Wesch - A Portal to Media Literacy

Aus der Wirtschaftsinformatik kenne ich die Erkenntnis, dass man zuerst die Geschäftsprozesse neu konzipiert (Process Reengineering), bevor man die Abläufe so wie man sie schon immer hatte, einfach in einer computergestützte Anwendung abprogrammiert. Bei diesem “Paving the Cowpath” bleibt das eigentliche Innovationspotential, das in den neuen Medien steckt, auf der Strecke. Und wir sehen an diesem Beispiel, dass dies genauso für das Umdenken bei den Lehr- und Lernpraktiken gilt:

  • Selbst seine Grundkurse haben kein festes Unterrichtsprogramm (Syllabus), sondern er beginnt mit einer Forschungsfrage, und dann entwickelt sich die Lehrveranstaltung entlang des Suchprozesses: “Was müssen wir wissen, um diese Frage zu beantworten?
  • “Weschs Sicht auf Lernplattformen ist: “It is not a download only world, it is an upload world” (ca. Std. 1:04), also gerade das Gegenteil von dem, wie wir heute LMS einsetzen.
  • Wesch erzählt (ca. Min. 40) wie im klar wurde, dass die interaktive Arbeit in einer Kleingruppe mit zehn Studierenden genauso in der grossen Vorlesung mit 200 Leuten funktionieren kann, ja sogar noch besser. Denn seine Lernumgebung wird umso mächtiger, je mehr Menschen offenen Zugang haben, ihr Wissen und ihre Kreativität einzubringen.

Nach dem Umdenken bei der Prozessgestaltung, hier schliesslich die Werkzeuge, die er in seinem lebendigen Lernportal verwendet (vgl. Bild “A Platform for Participation”). Ich habe dazu die jüngste Kursdurchführung vom Frühjahr 2010 angesehen und auch das einbezogen, was er im Vortrag erwähnt. Ich bitte ausdrücklich um Korrekturen oder Ergänzungen dessen, was ich evt. noch nicht ganz richtig interpretiere, denn die Mehrzahl dieser Tools kenne ich (noch) nicht aus eigener kreierender Anwendung).

Netvibes-Plattform des Portal for Media Literacy (M. Wesch)

  • Netvibes ist die Hauptplattform. Sie macht die Lernumgebung zu einer Echtzeit-Website mit lebendigem Content.
  • Wetpaint wird für die Wiki-Arbeitsweise an Inhalten eingesetzt.
  • Yahoo Pipes integriert die RSS-Feeds der verschiedenen Anwendungen (Wiki, Blogs, Kommentare, etc.) (Mash-up)
  • WallWisher eignet sich, um multimediale “Post-it” Notizen (z.B. für Brainstorming) zu sammeln
  • Twitter ist der Micro-Nachrichten. Dienst (Wesch sagt, in Zukunft möchte er Jott nutzen, um in Präsenzveranstaltungen via Spracherkennung gesprochene Mitteilungen zu Twittern).
  • Diigo, ein Social-Bookmarking-Dienst kommt dazu, nicht nur für das Sammeln von Links, sondern auch um Webseiten zu annotieren und über die Links zu diskutieren.
  • Ein YouTube Kanal zum Kurs für die selbstproduzierten Videos darf nicht fehlen.
  • Wordpress ist das Blogtool für den bzw. die Blogs zum Kurs.
  • Für die Datenerfassung bei speziellen Forschungs-Übungen kommt Zoho Creator zum Einsatz.
  • Im aktuellen Kurs ist die Facebook iPhone-App nicht mehr einbezogen, die Ablenkung war wohl doch zu stark. Diese Facebook-App hatte Wesch anfangs noch als Anreiz für die Studierenden dazugenommen, über die Kursplattform ihre Facebook-Site im Auge zu behalten und dadurch Entdeckungen auf der Kursplattform zu machen.

Seine Schlussworte im Vortrag sind “We generally move from closed to open system, from control to enable, from structure to platform.” Mein Fazit lautet: Sein “LMS” würde ich eine Open Learning Participation Platform nennen.

14. Juli 2010

Zukunft des Lesens: Text 2.0

Dieser Youtube-Film (des DFKI – Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) beschreibt auf spielerische Weise die Vision von Text 2.0. Lange Zeit war das Lesen eine ruhige und statische Aktivität, bei der sich ein Mensch mit einem vorgefertigten Text auseinandergesetzt hat. Die Tiefe der inhaltlichen Interpretation bzw. die intellektuelle Durchdringung war vor allem vom Wissensstand des Lesers abhängig. Beispielsweise ist ein Text in einer fremden Sprache schwerer verständlich als ein in der eigenen Muttersprache abgefasster Text. Ebenso sind aktuelle Nachrichten flüssiger zu lesen als ein Beitrag zu einem sehr fachspezifischen Thema. Der Text 2.0 adressiert diese Hürden des herkömmlichen Lesens mit verschiedenen Features, welche Verständnisprobleme an Ort und Stelle mit ergänzenden Informationen lösen und den Lesefluss beispielsweise durch das Ausblenden irrelevanter Information erhöhen. Dabei springt ein roter Punkt von Wort zu Wort und veranschaulicht damit die Blicke des virtuellen Lesers.YouTube Preview Image

Ihre Kosten- und CO2-Einsparungen mit Green ICT

Swisscom bietet auf ihrer Website einen Green ICT Check an, womit ein Unternehmen überprüfen kann, wieviel Kosten als auch CO2 es potentiell einsparen könnte. Insbesondere letzterer Aspekt ist im Zuge der steigenden Bedeutung von Corporate Social Responsibility als sehr zukunftsträchtig einzustufen. Zur Ermittlung des Einsparpotentials werden Faktoren wie die Mitarbeiterzahl, die Ortsgebundenheit der Mitarbeiter, die durchschnittliche Reisezeit für Meetings oder die Anzahl Server berücksichtigt. Im Anschluss an die Eingabe dieser Parameter wird das Resultat in übersichtlicher Form ausgewertet. Zudem werden direkt praktische Massnahmen vorgeschlagen. Weiterführende Informationen unter: Link zur Website

Wo ist der beste Videopodcast?

Im Rahmen des podcampus-Wettbewerb 2010 wird der beste Videopodcast aus Hochschule, Wissenschaft und Forschung gesucht. Zur Teilnahme eingeladen sind Lehrende, Studierende bzw. alle, die Podcasts herstellen. Der beste Podcast wird nach folgenden Kriterien ausgewählt:

  • Content: fachlich-inhaltliche Originalität und Qualität
  • Didaktische Qualität
  • Dramaturgie (Aufbau, Struktur)
  • Technische/optische/akustische Qualität

Als Preis winkt ein iPad sowie die kostenfreie Teilnahme für zwei Personen an der Gesamtveranstaltung Campus Innovation und dem Konferenztag Studium und Lehre. Zudem werden die eingereichten Werke auf dem Channel des podcampus-Wettbewerbs online gestellt und so einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Die Preisverleihung findet am 18. November in Hamburg statt. Weiterführende Infos unter: http://www.podcampus.de/wettbewerb

Top 100 Learning Tools

Das Centre for Learning and Performance Technologies führt seit 2007 ein Ranking der besten Learning Tools und veröffentlicht diese Liste auf seiner Website. Die Bewertung der einzelnen Tools und damit auch die Rangfolge orientiert sich an den Meinungen aus einem internationalen Kreis von Profis im Bereich Aus- und Weiterbildung (z.B. Lehrer, Trainer, Berater, Entwickler, Analysten). Die in die Bewertung einfliessenden Inputs können einfach über eine Online-Maske erfasst werden, wobei jeder Bewerter seine persönliche Top10-Liste einreicht. Das aktuelle Ranking Top Tools 2010 basiert derzeit auf ca. 250 Meinungen und wird am 17. Oktober 2010 finalisiert. Für weiterführende Informationen: Link zur Website

2 Minute Introduction to Google Video Chat

Mit Google Video Chat sieht man das Gegenüber, mit dem man gerade spricht. Interessantes Tool, um virtuelle Meetings abzuhalten! Auf Youtube ist eine witzige Einführung in die Installation und den Gebrauch von Google Video Chat verfügbar.

YouTube Preview Image

Quelle: Jane’s Pick of the Day

Workshop zur erfolgreichen Einführung von Enterprise 2.0 am 23./24. September 2010

In Kooperation mit The Knowledge Place organisiert das Institut für Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen das Intensivseminar “Strategien zur erfolgreichen Einführung von Enterprise 2.0″. Immer mehr Unternehmen befassen sich mit der Weiterentwicklung ihres Intranet zu “2.0″ durch sogenannte Collaboration- und Social Business Software. Web-2.0-Konzepte ermöglichen zeitgemässe Wege der Kommunikation, Kollaboration und des Wissensmanagements. Damit die Potentiale einer technisch gelungenen Einführung zur Wirkung kommen, müssen Prozesse, Kultur, Arbeitspräferenzen sowie Kompetenzen der Mitarbeiter in Einklang mit der Strategie und den Zielen des Unternehmens mitentwickelt werden. Für weiterführende Informationen: Link zur Website

Neubesetzung in der Redaktion

In der Redaktion des Newsletters “Learning Waves – Die Zukunft von Lernen und Wissen” ist neu seit Anfang Juni 2010 Thomas Zweifel verantwortlich. Er hat den Bachelor of Arts in BWL an der Universität St. Gallen abgeschlossen und strebt derzeit einen Double Degree zwischen der Universität St. Gallen und der HEC Paris an. Parallel zu seiner redaktionellen Tätigkeit arbeitet er als Junior Consultant für HPO Management Consultants und als Career Service Assistant für The St. Gallen MBA. Für weiterführende Informationen zur Person und Werdegang: Link zur Website

E-Learning-Ansätze für eine Senioren-Web-Community

Bachelorarbeit N. Waser Icon-GrafikEine Bachelor-Arbeit am Learning Center IWI-HSG beschäftigte sich für Seniorweb.ch mit der Frage, wie E-Learning-Angebote für die Community-Mitglieder zielgruppengerecht ausgestaltet sein könnten. In diesem Zusammenhang wurde im Frühjahr 2009 zunächst eine Online-Umfrage durchgeführt, an der sich 230 Seniorweb-Mitglieder beteiligt hatten (die Umfrageergebnisse sind hier veröffentlicht)

Die Bearbeiterin, Nicole Waser, kommt in ihrer Untersuchung zu dem Schluss, dass die Ausgestaltung durch ein klassisches Lernprogramm, ein Web-based Training (WBT) mit interaktiven Übungen, den geäusserten Erwartungen der Nutzer entspricht. Diese Umsetzung ist jedoch mit Entwicklungs- und Folgekosten in einer Höhe verbunden, die für die Organisatoren von Seniorweb.ch schwer aufzubringen sind. Frau Waser stellt diese Variante in einem Kriterienraster dar; die den Nutzererwartungen entsprechenden Ausprägungen sind grün hinterlegt – Ausprägungen, die als Barriere wirken, sind rot hinterlegt.

Klassisches E-Learning

Die Variante Offenes E-Learning 2.0 wird von ihr nach dem gleichen Schema charakterisiert. Diese Ausgestaltung  wurde in der Nutzerbefragung nicht explizit gewünscht, was daran liegen kann, dass dieses nicht-klassische E-Learning noch zu wenig bekannt ist. Die Gestaltungsvariante entspräche zwar in vielerlei Hinsicht den Erfordernissen des Lebenslangen Lernens und wäre vergleichsweise kostengünstiger umzusetzen. Fehlende Akzeptanz durch die Nutzer würde jedoch den Erfolg gefährden.

Waser_Offenes_eLearning

Quelle: Waser, N., unveröffentlichte Bachelorarbeit am IWI-HSG, Uni St. Gallen 2010

Aufruf zur Einreichung von Beiträgen für die “zeitschrift für e-learning“

Die 2. Ausgabe 2011 der zeitschrift für e-learning – lernkultur und bildungstechnologie wird das Thema “E-Learning in Praxisphasen des Studiums“ behandeln. Ein- bis zweiseitige Abstracts können bis zum 30.09.2010 an die Herausgeber Prof. Dr. Rolf Schulmeister (schulmeister@uni-hamburg.de) oder Prof. Dr. Gabi Reinmann (gabi.reinmann@unibw.de) eingereicht werden.
Weitere ausführlichere Informationen finden Sie in der PDF-Datei unter: www.e-learning-zeitschrift.org/home/call.php