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11. Juli 2012

Kolumne: Burn-Mail statt E-Mail

burning notesEs ist Sommerzeit: Ferienzeit. Die Tageszeitungen werden dünner und die E-Mails weniger. Meine Aufmerksamkeit wird von einer Meldung über den Webdienst “Burn Note” gefangen. Wow, denke ich, ob man sich damit auch noch von den verbleibenden E-Mails befreien kann? Vielleicht kann dieses Tool sie mit einem Tastendruck pulverisieren, so dass sich eine Mail nach der anderen virtuell in Rauch und Asche auflöst? Das tut Burn Note (oder ähnlich Privnote) so nicht, aber anders. Man kann damit Nachrichten übers Web verschicken, die sich selbst zerstören, nachdem sie gelesen wurden. Der Empfänger hat also nur eine Chance, die Mitteilung zu lesen, und kann sie zudem auch nicht kopieren.

Die Entwickler finden ihren Dienst für Geheimbotschaften nützlich, um z.B. jemand Login-Daten inkl. Passwort zu schicken. Mit etwas Fantasie fallen einem noch andere Verwendungen ein. Vielleicht wird so ein Dienst die Plattform für Liebesgeflüster, das ja einen Grossteil des SMS-Aufkommens ausmacht. Das hätte doch Stil: Jede Mitteilung wäre kostbar, da vergänglich. Und die digitalen Liebesgrüsse wären ganz nah am unter vier Augen gesprochenen Wort. Bleiben wir aber bei der Arbeit: Was könnte diese Funktionalität denn für die dienstlichen Mails an Erleichterungen bringen? Ich sehe darin ein Heilmittel gegen den:

  • E-Mail Overload (horten Sie nicht auch viel zu viele Mails in der Inbox?) und gegen das
  • E-Mail Attention Deficit Syndrome (haben Sie nicht auch den Eindruck, dass E-Mails zunehmend nur noch oberflächlich gelesen werden und dadurch nur Klärungsmails nach sich ziehen?)

Wäre das nicht toll, wenn wir bei bestimmten Mails schon gleich den Selbstvernichtungs-Befehl mitschicken könnten? Beim Adressaten würden sie dann nicht die Inbox vollstopfen, und unsere Empfänger würden genau hinschauen und sorgfältig lesen, da sie ja nur einmal die Gelegenheit dazu hätten. Das ist doch einen Versuch wert. Doch mit Bedacht. Bei Web-2.0-Diensten hat es sich ja so ergeben, dass erst die Anwendung im Privatbereich da war und die Neuerungen dann die Unternehmenssoftware (Enterprise 2.0) “angesteckt” haben. Man probiert das vielleicht besser zuerst im privaten Netzwerk aus, bevor man die Leute im Arbeitsumfeld damit konfrontiert. Es macht bestimmt Spass, und meine Fantasie jedenfalls ist gezündet.

23. Mai 2012

Rückblick: St.Gallen Mobile Business Forum 2012

MB-ForumAm 08. Mai 2012 fand am Weiterbildungszentrum der Universität St. Gallen das St. Gallen Mobile Business Forum statt. Hochkarätig besetzt wurde einen Tag lang intensiv das Thema Enterprise Mobility diskutiert.
Das CCMB stellte gemeinsam mit T-Systems Multimedia Solutions Ergebnisse der Marktstudie „Mobile Business Solutions 2012“ vor.  Microsoft, SAP, SBB, Coresystems, Google, T-Systems Multimedia Solutions gaben in ihren Keynotes Einblicke in diverse mobilisierte Geschäftsprozesse. Auf zwei Panels diskutierten Vertreter von Swiss Re, Jakoa Mobile, SAP, Credit Suisse, Deutsche Lufthansa, Zumtobel und T-Systems Multimedia Solutions über die Themen BYOD und iPad im Aussendienst. Canon und Xtendx zeigten auf der Veranstaltung ein auf mobile Endgeräte ausgelegtes Livestreaming.
Wir danken an dieser Stelle den über 100 Teilnehmern für ihren Besuch in St. Gallen und ihr Engagement auf dem Forum.
Eine neuerliche Durchführung ist bereits für den Zeitraum 16. / 17. Mai 2013 vorgemerkt.
Ebenfalls möchten wir Sie darauf hinweisen, dass die Webseite der Veranstaltung laufend ausgebaut wird und neue Inhalte, wie Präsentationen, Videoaufzeichnungen oder Fotos von der Veranstaltung, hinzugefügt werden. Weitere Informationen bzw. die Möglichkeit zum Kauf der vorgestellten Studie (auch als PDF erhältlich) erhalten Sie hier: http://www.business-goes-mobile.de/
Gerne machen wir Sie auch auf unseren wissenschaftlichen Fragebogen zum Thema Mobile Strategie aufmerksam. Das Ausfüllen sollte zwischen 8 bis 10 Minuten benötigen. Diesen finden Sie hier online:  http://survey.iwi.unisg.ch/65796/lang-de

13. Februar 2012

21. WissensWert Blog Carnival: E-Mail mit Kursteilnehmern war gestern

WissensWert Blog Carnival LogoDie Frage der 21. Ausgabe des WissensWert Blog Carnival lautetClassroom 2.0: Welche Erfahrungen mit dem e-Medien-Einsatz im Seminarraum haben Sie gemacht?” Als Dozierende eines Kurses über „Management in the Digital Economy“, den mein Co-Dozent Thomas Walter und ich an der Uni St. Gallen anbieten, können wir über unsere Erfahrungen mit Facebook als kursbegleitende Kommunikationsplattform berichten. Die Kommunikation mit den Studierenden rund um den Präsenzkurs in einer geschlossenen Facebook-Gruppe hat mühelos funktioniert. Das Soziale Netzwerk wurde ohne Vorbehalte für diesen Einsatzzweck akzeptiert, ja sogar als innovativ und andersartig geschätzt. Und dieses Kommunikationstool hat uns Dozierende von der Bürde des E-Mail erlöst.

Thomas Walter und ich meinen, dass es für ein breites Publikum interessant wäre, hier ausführlich darüber zu berichten. Denn zum einen hat wohl jeder Hochschullehrende diese Unterrichtsform im Portfolio und zum anderen steht diese Gestaltungsalternative jedem offen, ohne dass nennenswerte Einrichtungszeit oder Investitionskosten nötig wären. Kurzum: Jeder kann mitmachen, bzw. das auch machen.

Ohne besondere Überlegungen und Vorbereitungen hatten wir mit Beginn des Präsenzkurses eine geschlossene Facebook-Gruppe eingerichtet, um über diesen Kanal anstelle von E-Mail mit den Studierenden zu kommunizieren. Die Kurs wurde wie gewohnt durchgeführt, d.h. über 14 Wochen gab es pro Woche zwei Präsenztermine von 90 Minuten, das klassische Learning Management System (LMS) kam als Download-Plattform für die Lehrunterlagen zum Einsatz, und die Credits wurden aufgrund der individuellen Leistungen in Klausur und einer Kurzpräsentation vergeben. Wir sagten den Studierenden gleich zu Beginn, dass die Beachtung und Teilnahme an der Facebook-Gruppe freiwillig sei, wir wollten das einfach mal ausprobieren, und dass kein Nachteil bezüglich der Prüfungsleistung entstünde, wenn jemand unsere Facebook-Aktivitäten ausklammern wollte. Trotz dieser nur kleinen Veränderung am Lernarrangement und obwohl wir keine Anreize zur Mitwirkung in der Facebook-Gruppe gesetzt haben, war Bemerkenswertes zu beobachten.

Anlaufschwierigkeiten und Akzeptanzprobleme? Ganz und gar nicht.

Alle rund 30 Studierende hatten schon einen Facebook-Account. Wir fanden es erstaunlich, dass trotz der Freiwilligkeit schon zum zweiten Präsenztermin fast alle die Einladung in die Gruppe angenommen hatten und damit im Kommunikationskanal waren. Es gab keinen Erklärungsbedarf zum Tool, es gab keine Verunsicherung, was jetzt zu tun wäre und erwartet würde, und es wurden auch keinerlei Einwände gegen die Nutzung von Facebook vorgebracht. Wir wurden z.B. nicht damit konfrontiert, dass diese Kontaktaufnahme wie ein Eindringen in die Privatsphäre wahrgenommen worden wäre. Ein Student schrieb in der Kursevaluation bzw. seiner Learning Reflection: „Ich bin eh da (in Facebook), warum soll ich es nicht für was Sinnvolles nutzen?“ Man muss dazu allerdings erwähnen, dass die Kommunikation über ein Social Media Tool auch zu den Kursinhalten passte, dass damit praktiziert wurde, was Bezug zum Lerninhalt hatte. Bei der Konstellation kann man eine grosse Offenheit dieser Neuerung gegenüber annehmen. Wir starteten also ganz ohne Anlaufschwierigkeiten. So mühelos und intuitiv wie das  On-Boarding der Studierenden verlief, genauso leichtgewichtig war der Einstieg für uns als Dozierende, die wir den Kanal eingerichtet hatten. Unsere Haltung war: Fangen wir mal mit dem Einrichten an, alles Weitere entwickelt sich wie von selbst kontinuierlich im Kursverlauf, je nachdem was gerade ansteht.

Wellness für alle Beteiligten: Stressfreies Kommunikationsklima

Heutzutage richten die Studierenden ihre Fragen und Anliegen ohne Scheu per E-Mail direkt an die Dozierenden und Unterrichtsassistenten; man wird zeitweise regelrecht damit „bombardiert“. Dieser „Kundenservice“, jedem Einzelnen Rede und Antwort zu stehen, macht nicht nur viel Aufwand, sondern ist auch noch oft mit viel negativer Emotionen verbunden. Es ist einfach lästig, wenn man mehrfach dieselbe Mailantwort zu organisatorischen Fragen oder Prüfungsangelegenheiten geben muss, obwohl die Information ja in den Unterlagen im LMS zu finden ist; man fragt sich voller Unmut: „Warum sieht das keiner?“.  Durch die Facebook-Kommunikationsweise werden solche Information viel zuverlässiger und nahezu ausnahmslos von allen wahrgenommen.

Pruefungsfrage-Facebook

Wenn eine Frage erstmals für alle sichtbar in Facebook gepostet wird, genügt die einmalige Antwort, auch deshalb, weil die Frage zeitlich sehr nah an der Situation gestellt und beantwortet wird, in der sie relevant ist. Wenn der Zeitraum, in dem gleichartige Fragen aufkommen, länger als ein paar Tage ist wie z.B. in der Prüfungsvorbereitungsphase, kommen Wiederholungsfragen allerdings schon vor, weil ein Post  im Stream ja schnell nach unten rutscht und aus dem Blickfeld gerät; hier muss man allerdings nur eine verkürzte Antwort geben, die auf den Block der betreffenden Frage-Antwort-Posts verweist und diesen Block damit wieder im Stream nach oben bringt.

Auch auf Studierendenseite werden negative Emotionen und Stress vermieden. Wenn es auf die Klausur zugeht, steigt die Anspannung und die Studierenden stellen viele Fragen, die eigentlich unnötig – da nachlesbar – sind; sie haben aber ein starkes Bedürfnis, sich zu vergewissern und in Kontakt zu sein, um nichts Wichtiges zu verpassen. Sobald solche Fragen in Facebook gestellt werden, wird eine aufkommende Stressstimmung im Keim erstickt, weil die Antworten sehr zeitnah kommen, alle sehen sie und es gibt auch kein Misstrauen, dass jemand über bilaterale E-Mail eventuell einen heimlichen Infovorsprung bekommen hätte.

Unterrichtsgespräche im Engelskreis

Kommunikation in Facebook und Präsenzgespräche im Seminarraum finden nicht isoliert voneinander statt, sondern beziehen sich aufeinander und verstärken sich dabei gegenseitig. Kommt z.B. im Kurs eine Frage auf, die man als Dozent nicht gleich beantworten kann, die aber leicht zu recherchieren ist, kann man die Antwort unmittelbar nach dem Kurs in Facebook posten bzw. – was noch interaktionsfördernder ist – jemand aus dem Kreis der Studierenden darum bitten.  Das erzeugt gefühlte Gesprächsatmosphäre, die nicht entsteht, wenn man die Antwort auf den nächsten Präsenztermin in ein paar Tagen verschiebt. Ähnlich kann man auch spontan im Präsenzkurs (Haus)Aufgaben stellen, z.B. tagesaktuelle Medienberichte zu lesen und diese in Verbindung mit dem Lernstoff zu kommentieren oder zu diskutieren. Die meisten Studierenden lassen solche „freiwilligen“ Aufgaben links liegen oder bearbeiten sie im Stillen, d.h. ohne Rückmeldung in Facebook. Es finden sich i.d.R. aber doch mindestens ein paar Personen, die Antwort geben und einen Post dazu schreiben. Solche „anmoderierte“ Post ebenso wie ganz spontan entstandene Posts von den Studierenden sind Anknüpfungspunkte für das Unterrichtsgespräch. Man kann in der Präsenzstunde einen Studierenden bitten, dass er oder sie näher erläutert, welche Motive und Überlegungen mit dem Post verbunden sind. Ein Beispiel, wie eine von der Dozentin angebotene Einladung zum Dienst “Quora” vom dozentenzentrieren 1:n-Kommunikationsfluss zur selbstorganisierten gegenseitigen Hilfe/Einladung übergegangen ist, sieht man an dem folgenden Kommunikationsstrang.

Quora-Selbstorganisation

Partizipation intensiviert sich allmählich und zeigt bekannte Nutzungsmuster

Die Kommunikation über den Kurszeitraum war nicht stetig gleich, sondern sie entwickelte sich in einem Verlaufsmuster. Anfangs hielten sich die Studierenden sehr zurück; die Kommunikation bestand aus 1:n Information seitens des Dozierenden. Erst nach einer längeren Anwärmzeit, etwa kurz vor Halbzeit des Kurses, begannen die Studierenden, mit eigenen Beiträgen aktiv zu werden. Zu einer auffälligen Aktivierung kam es darüber hinaus als im Kurs das Thema „Participation Inequality“ (das 90-9-1-Prinzip) behandelt wurde. Einige Studierende erkannten sich und ihr Verhalten darin wohl wieder und beschlossen, aus der “90%-Masse“ und „Anonymität“ herauszutreten und Inhalte beizutragen.

Im gesamten Kommunikationsaufkommen zeigten sich unterschiedliche Nutzungsmuster, die wohl auf die verschiedenen Nutzerpersönlichkeiten zurückgehen. Dies deckt sich mit den Kategorien, welche die Social-Technographics-Analysen von Forrester in der „Ladder of Participation“ darstellen. In der Studierendengruppe gab es die Inaktiven (Spectators), dann waren welche dabei, die sich weitgehend auf „Liken“ beschränkten und schliesslich auch Studierende, die hauptsächlich nur  Kommentare zu Posts abgeben (Critics). Nur einige wenige erstellen eigeninitiativ gehaltvolle Posts (Creators), die auch Diskussions-Posts auslösen.  Unter gehaltvollen Posts verstehen wir z.B. kommentierte Linkverweise, Meinungsäusserungen oder Fragen an die Gruppe. Wir Dozierende hatten den Eindruck, dass Studierende, die sich gerne mit Posts „melden“, das auch getan haben, und sich nicht wie oft im Präsenzkontext mit Wortmeldungen zurückhalten, um nicht als „Streber“ zu gelten.

PictureUpload-plusDiscussion

Toolskills der Studierenden beschränken sich auf die Grundfunktionalität

Von Seiten der Dozierenden wurden alle Features, die Facebook bietet, einmal eingesetzt, um die Wirkung zu prüfen. Das waren Umfrage (Poll), Veranstaltungseinladung für die Präsentationstermine, und zum einen eine Wiki-Seite, um ein Stundenprotokoll kollaborativ zu schreiben, und zum anderen eine Wiki-Seite für eine kollaborative Link-Sammlung. Wir mussten die Erfahrung machen, dass die Studierenden an diesen Arbeitspraktiken nicht partizipieren. Sie nutzen Facebook im Kontext ihrer „Arbeit“, dem Studieren, mit genau den Funktionen, die sie auch von der privaten Nutzung gewohnt sind, und das sind nur wenige von denen, die Facebook bietet. Anders formuliert kann man sagen: Die Features, die eine Umstellung in der Arbeitsweise bedeuten, werden nicht freiwillig angenommen – oder müssen noch hinzugelernt werden. Es gab z.B. nur zwei Klicks auf eine Umfrage (Poll); die Wiki-Seite zum Links sammeln hat niemand ausgefüllt – obwohl Inhalt vorbefüllt und eine Struktur vorgegeben war; die Einladung zu den insgesamt vier Veranstaltungen „Pecha Kucha Präsentationen“ wurde nicht an Freunde weitergeleitet und auch die Synchronisation von den Facebook-Terminen mit dem eigenen Kalender wurde (wohl) nicht genutzt. Selbst das Vormachen von Verhalten ausserhalb von Facebook wird nicht von mehreren imitiert, es sind nur Einzelpersonen, die das “erkennen” und umsetzen.

Student-Poll

Z.B. hatten wir unsere Präsentationsfolien (ein Grossteil des Skripts) nicht nur im geschlossenen LMS, sondern web-öffentlich auf Slideshare mit Creative-Commons-Lizenz publiziert. Nur etwa einer aus Zehn hat diese Praxis „imitiert“, d.h. die Pecha-Kucha-Folien auf Slideshare gestellt. Ein Student, der sich in die Weböffentlichkeit gewagt hat, ist von der Beachtung seiner Präsentation (Corporate Twittering) und dem „Weitererzählen“ so positiv überrascht worden, dass man zusehen konnte, wie ihn das motivierte und wie die Dynamik des sozialen Netzes am eigenen Fallbeispiel konkret erfahrbar wurde.

Schliesslich fragten wir am Ende der Lehrveranstaltung, was mit der Gruppe geschehen solle, ob wir sie schliessen sollten. Keiner hat das gewünscht. Wir schliessen daraus, dass die Studierenden keine oder sehr wenig Gruppen in Ihrem Facebook Account haben, so dass das Tool-Aufräumbedürfnis nicht da ist. Wenn wir heute in die Gruppe schauen, ist allerdings wenig bis nichts an Kommunikation darin weiter gelaufen.

Die Tonalität in der Kommunikation zwischen Studierenden und Dozierenden war eher lockerer als bei anderen Lernarrangements, d.h. leichtgewichtiger, weil man Formalitäten weglässt.  Ausserdem kommuniziert sich flott, nicht gerade immer realtime, aber doch mit geringeren Zeitabständen, und die Beziehung wirkt dadurch auch weniger distanziert. Das schafft eine gute Atmosphäre. Allerdings muss auch erwähnt werden, dass mit einer Facebook-Gruppe die Gesprächspräsenz aufgedrängt wirken kann; die Studenten sind wie dauernd online, und lassen sich davon in anderen Lehrveranstaltungen ablenken, wenn man nicht explizit dagegen hält.

Weniger gefühlte Distanz kommt auch daher, dass man aus den Facebook-Profilen mehr und Persönliches über die Studierenden erfährt; man „weiss“, wer wer ist. Die Wenigsten hatten sich zu Beginn des Kurses tiefgehend mit den Einstellungsmöglichkeiten zu Privatsphäre und Sichtbarkeit in Facebook auseinandergesetzt. Erst als Themen wie Geschäftsmodelle des Internet – u.a. „data as a currency“ – auch im Kurs thematisiert wurden, haben die Studierenden vermehrt die Sichtbarkeit auf die Ebene Freunde von Freunden eingeschränkt. Ohne diesen Einblick ins gesamte Facebook-Profil können sich Dozierende wie ich nur wenige Leute, und zwar die auffälligsten, merken. Auch unter den Studierenden findet eine Annäherung statt, wenn persönliche Informationen preisgegeben werden. Unser Eindruck war, dass sich durch die Offenheit der Profile und die Dialogaktivität eine Community zu entwickeln begann.

Abschliessend vielleicht noch diese Beobachtung: Die Studierenden sind eine andere Generation als wir Dozierende. Während wir viele Web-2.0-Plattformen kennen und diese Vielfalt nutzen, halten sich viele Studierende an ein „Tool“, nämlich Facebook. Bemerkenswert finden wir auch, dass keiner einen eigenen Blog führt. Wikipedia editiert hat auch noch keiner. Unser Fazit lautet: E-Mail in der Studierendenkommunikation war gestern, aber mit Facebook sind die Studierenden und wir auch noch nicht in der Zukunft angekommen.

Andrea Back und Thomas Walter, im Feb. 2011

11. Dezember 2011

Merry Christmas and a Happy New Year

Im Zuge unserer Forschungsarbeiten zu user-generated Web-Video ist unser Videogruss zum Jahresabschluss entstanden. Wir haben Tools entdeckt, mit denen man ein Drehbuch mit Text ganz einfach in eine animierte Videogeschichte umsetzen kann. Unser neuer Mitarbeiter in der Redaktion von Learning Waves hat es ausprobiert. Schauen Sie mal, was auch Sie demnächst in Ihr Repertoire an E-Learning-Tools zur Gestaltung von Wissensbotschaften aufnehmen werden.

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17. September 2011

20. WissensWert Blog Carnival: Leseausflüge ortsunabhängig mit Papier

WissensWert Blog Carnival LogoDie Frage der 20. Ausgabe des WissensWert Blog Carnival lautet “Haben sich Ihre Lesegewohnheiten verändert, und wenn ja wie?” Ich traue es mich kaum zu sagen: Noch besitze ich für den persönlichen Gebrauch weder ein Pad-Device, noch einen eReader, und selbst mein Handy ist noch alter Generation, ohne Touch-Oberfläche. Immer wieder schiebe ich die Anschaffung hinaus und warte auf das nächstbessere. D.h., nach wie vor ist mein Notebook – der allerdings immer dabei ist – mein Fenster in die Netzwelt und auch Lesegerät.
Einige Lesegewohnheiten haben sich in jüngerer Zeit geändert, andere sind geblieben. Nehmen wir nur mal drei, die mir zuerst einfallen.

  • Ich lese viele Beiträge im Netz, verstreut über den Tag, weil ich spontan Hyperlinks und Linkempfehlungen nachgehe, die z.B. über Twitter reinkommen. Das ist neu, dafür gibt es keine Entsprechung einer früheren Gewohnheit, dass ich z.B. eine Zeitung oder ein Magazin zwischendurch zum Lesen in die Hand genommen hätte.
  • Es gibt aber auch ein “Opfer” meiner neuen Lesepraxis: Das Abo einer IT-Wochenzeitschrift habe ich abbestellt, weil ich mich über ein Fach-Blognetzwerk besser informiert fühle und Beiträge darin regelmässiger lese bzw. vollständig “scanne”.
  • Ganz konservativ lese ich z.B. Abschlussarbeiten gern in Papierform, genauer gesagt ist es das Erstlesen, denn für weitere Arbeit nutze ich die PDF-Version. Lesen ist für mich mit Vergnügen- und Freizeitgefühlen besetzt, und Freizeit findet nicht am Schreibtisch und in Büroräumen statt, sondern oft draussen. Für Draussen ist Papier ist einfach noch das beste Medium. Es ist mobil und kabellos, der Akku wird nie alle, keiner will es stehlen, und ob es gleissend hell ist oder fast schon dunkel, es funktioniert prima bei allen Lichtverhältnissen. So gesehen sind nicht die neuen mobilen Devices, sondern das gute alte Papier das beste Medium für ortsunabhängiges Lesen wie auf dem Foto von meinem letzten Leseausflug.

Ortsunabhängiges Lesen mit Papier

    15. November 2010

    Workplace Learning zukünftig mit Augmented Reality

    Grafikloge WissensWertIn der Ausgabe 16. des WissensWert Blog Carnival fragt Dr. Daniel Stoller-Schai, wie Workplace Learning in Organisationen umgesetzt wird.

    Als Professorin einer Hochschule fühle ich mich von dieser Frage eigentlich nicht angesprochen. In unserem Beruf gibt es keine Kümmerer fürs lebenslange Lernen. Wir sind selbst verantwortlich, das zu gestalten.

    Aber das Thema “Workplace Learning” spricht mich an, sehr sogar, und zwar die Frage: Welche Innovationen bringt die Zukunft? Wer heute modernes Lernen am Arbeitsplatz, oder auch Lernen unterwegs, umsetzt, denkt an mobile Endgeräte oder andere Spezialbildschirme, wie Kassenterminals.  Das ist aber nicht das Ende der Fahnenstange.

    Die BMW AG informiert in einem Video über eines ihrer Innovationsprojekte. Dieses betrachte ich als Workplace E-Learning. Schauen Sie sich an, wie man mit der Datenbrille auf der Nase – unterstützt von Augmented Reality – lernen kann, Reparaturen am Auto durchzuführen. Ich habe mir die zweieinhalb Minuten genommen und würde am liebsten gleich loslegen. Arbeitshandschuhe habe ich schon in der Garage, fehlen nur noch der BMW und die Datenbrille.

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    Kolumne: Microlearning lässt Bücher allmählich verdunsten

    VergessenHeisst besser lernen, weniger zu vergessen? Piotr Wozniak jedenfalls hat eine Lerntechnik entwickelt, die gegen das Vergessen wirkt, und er lebt sie konsequent. Seine Technik, die in die Lernsoftware SuperMemo eingeflossen ist, hat sich für das Sprachenlernen bewährt. Wozniak selbst wendet sie auch auf Informationen aus Büchern und Artikeln an. Dazu werden die Texte in kleine Einheiten verhackstückelt, die er dann auswendig lernt. Wozniak schildert uns diese Lernerfahrung so: “Wenn man erst die Schnipsel hat, die man benötigt, verschwinden die Bücher. Sie verdunsten allmählich. Sie werden in Wissen übersetzt“.

    Das klingt doch ganz nach “Microlearning”. Den Begriff habe ich durch eine von Martin Lindner organisierte Tagungsreihe Microlearning in Innsbruck kennengelernt. Ich kann diesen Ausdruck intuitiv “begreifen”, denn ich erfahre Microlearning, wenn ich Kurzvideos schaue und selbst produziere, oder wenn ich Blogposts lese und schreibe. Wortschöpfungen wie “Wissenshappen”, “Knowledge Snacks” oder gar “Snack-Learning” finde ich durchaus akzeptabel. Aber ob man mit Microlearning wirklich effektiver lernen kann? Das fragt sich nicht  nur Kollegin Gabi Reinmann in ihrem e-Denkarium Beitrag “Bekenntnis zum macro-learning“. Wir alle wünschten uns Forschungsergebnisse dazu.

    Wie Lernen mit Wissensschnipseln effektiv funktioniert, dazu hat Wozniak vielleicht den Schlüssel gefunden. Der Clue seiner Technik des “stufenweisen Lernens” ist, wie man das mit den Wissenshappen Gelernte auch behalten kann. Es gibt nämlich einen idealen Augenblick, um das, was man gelernt hat, zu repetieren. Der richtige Zeitpunkt, um etwas zu wiederholen, damit es im Gedächtnis haften bleibt, ist kurz bevor man es vergisst. Nur wie erkennt man diesen Moment? Dazu braucht man einen Lernhelfer, jemand der unsere Vergessensmuster genau beobachtet und daraus ableiten kann, wann wir uns welche Lernhappen zum Repetieren vornehmen sollten. Und das kann nur ein Computer: den Schwierigkeitsgrad jeden Lerninhalts und die Vergessenskurve für jeden Lernenden individuell berechnen. Wozniak, der diese Regeln in jahrelanger Selbstbeobachtung ausgetüftelt hat, gestaltet sein geistiges Leben nach diesem Prinzip und vertraut seinen Lernrhythmus (s)einem Computerprogramm an.

    Auswendiglernen hat allerdings keinen guten Ruf, aber Gedächtnisforscher wie Robert Bjork sagen: “Man kann dem Auswendiglernen nicht entkommen” – auch wenn wir im Internet immer mehr nachschlagen können. Unser Gehirn kann meisterhaft assoziativ denken, aber damit wir assoziieren können, müssen erst einmal Inhalte ins Gedächtnis geladen werden.

    Wir werden also in Zukunft die Tamagotchi-Idee umkehren, nicht wir füttern unsere virtuellen Haustiere, sondern unsere virtuellen Lernhelfer füttern uns streng nach Plan mit Wissenshäppchen. So könnte es kommen, wenn es uns denn gefällt.

    PS: Die in meinem Begleitschreiben zum Newsletter erwähnte Checkliste von P. Wozniak, mit den “7 Geboten”, wie man zum Genie werden kann, lautet vollständig: “Bestimme deine Ziele; erwirb durch Intervalllernen das nötige Wissen; erhalte deine Gesundheit; arbeite unentwegt; verringere jede Form von Stress; verweigere jede Unterbrechung und verschiebe niemals den Schlaf, wenn du müde bist.” (G. Wolf, 2010, S. 57).

    Quellenangabe: Wolf, Gary: Der Mann, der nie vergessen will. NZZ Folio, Das Superhirn, 11/2010

    7. September 2010

    Aufruf zur Einreichung von Beiträgen für die “zeitschrift für e-learning“

    Logo ZELDie 2. Ausgabe 2011 der zeitschrift für e-learning – lernkultur und bildungstechnologie wird das Thema “E-Learning in Praxisphasen des Studiums“ behandeln. Ein- bis zweiseitige Abstracts können bis zum 30.09.2010 an die Herausgeber Prof. Dr. Rolf Schulmeister (schulmeister@uni-hamburg.de) oder Prof. Dr. Gabi Reinmann (gabi.reinmann@unibw.de) eingereicht werden.

    Der Call für das Heft 3/2011 zum Schwerpunktthema “E-Portfolios” wird demnächst veröffentlicht; Gastherausgeberin ist Prof. Dr. Patricia Arnold.
    Weitere ausführlichere Informationen finden Sie in der PDF-Datei unter: www.e-learning-zeitschrift.org/home/call.php

    6. September 2010

    Kolumne: Dem Miraculix unter den Lehrenden in seinen Kochtopf geschaut

    WissensWert Blog Carnival LogoDr. Michael Wesch ist wie ich Professor an einer Universität. Man kennt ihn durch das mehr als 11 Millionen Mal aufgerufene YouTube Video “Web 2.0 … The Machine is Us/ing us“. Wenn er unterrichtet, dann bereitet er aus den Zutaten, die das Ökosystem des Web-2.0 bereithält, einen Zaubertrank fürs Lehren und Lernen, der die Studierenden nicht nur knowledgeable, sondern knowledge-able macht.

    M. Wesch beim Vortrag zu A Portal for Media LiteracyDas möchte ich auch können und habe ihm deshalb in den Kochtopf geschaut. Tun Sie das doch auch: Zum einen ist die Lernumgebung zu seinem Kurs “Mediated Cultures: Digital Ethnography” internetöffentlich (http://www.netvibes.com/wesch). Zum anderen erläutert Wesch seine Überlegungen und Rezeptur in einem Vortrag (hier das 1-stündige Video “A Portal to Media Literacy“, vom Juni 2008; diese mit Fotos, Videoszenen und Texten angereicherte Aufzeichnung ist sehenswert und fesselnd).

    Das Thema der 15. Ausgabe des WissensWert Blog Carnival (Sept. 2010) mit der Frage “Verlieren LMS im Web 2.0 an Bedeutung ?” hat mich veranlasst, meine Notizen zu dem Vortrag hier auch internetöffentlich festzuhalten. Denn M. Weschs “Kursplattform” sieht so gar nicht nach den Learning Management Systemen (LMS) aus, wie sie an unseren Hochschulen verbreitet sind.

    In den ersten 20 Minuten zeigt Wesch, dass wir Lehren und Lernen noch auf der Basis von Grundannahmen gestalten, die heute gar nicht mehr gelten, denn das Web schafft eine gänzlich andere Ausgangslage, wie Lehr- und Lernpraktiken heute gestaltet werden können. Wie das Bild “What these Walls say …” aus dem Video vermittelt, sind Informationen heute nicht mehr knapp. Dass Dozierende allein durch ihren Status die Autorität für Wissen und Wissensvermittlung gepachtet haben, gilt nicht mehr. Und die Lernenden müssen vom Lehrenden nicht auf vorgegebenen Lernpfaden einfach nur Wissen aufnehmen.

    Aus M. Wesch - A Portal to Media Literacy

    Aus der Wirtschaftsinformatik kenne ich die Erkenntnis, dass man zuerst die Geschäftsprozesse neu konzipiert (Process Reengineering), bevor man die Abläufe so wie man sie schon immer hatte, einfach in einer computergestützte Anwendung abprogrammiert. Bei diesem “Paving the Cowpath” bleibt das eigentliche Innovationspotential, das in den neuen Medien steckt, auf der Strecke. Und wir sehen an diesem Beispiel, dass dies genauso für das Umdenken bei den Lehr- und Lernpraktiken gilt:

    • Selbst seine Grundkurse haben kein festes Unterrichtsprogramm (Syllabus), sondern er beginnt mit einer Forschungsfrage, und dann entwickelt sich die Lehrveranstaltung entlang des Suchprozesses: “Was müssen wir wissen, um diese Frage zu beantworten?
    • “Weschs Sicht auf Lernplattformen ist: “It is not a download only world, it is an upload world” (ca. Std. 1:04), also gerade das Gegenteil von dem, wie wir heute LMS einsetzen.
    • Wesch erzählt (ca. Min. 40) wie im klar wurde, dass die interaktive Arbeit in einer Kleingruppe mit zehn Studierenden genauso in der grossen Vorlesung mit 200 Leuten funktionieren kann, ja sogar noch besser. Denn seine Lernumgebung wird umso mächtiger, je mehr Menschen offenen Zugang haben, ihr Wissen und ihre Kreativität einzubringen.

    Nach dem Umdenken bei der Prozessgestaltung, hier schliesslich die Werkzeuge, die er in seinem lebendigen Lernportal verwendet (vgl. Bild “A Platform for Participation”). Ich habe dazu die jüngste Kursdurchführung vom Frühjahr 2010 angesehen und auch das einbezogen, was er im Vortrag erwähnt. Ich bitte ausdrücklich um Korrekturen oder Ergänzungen dessen, was ich evt. noch nicht ganz richtig interpretiere, denn die Mehrzahl dieser Tools kenne ich (noch) nicht aus eigener kreierender Anwendung).

    Netvibes-Plattform des Portal for Media Literacy (M. Wesch)

    • Netvibes ist die Hauptplattform. Sie macht die Lernumgebung zu einer Echtzeit-Website mit lebendigem Content.
    • Wetpaint wird für die Wiki-Arbeitsweise an Inhalten eingesetzt.
    • Yahoo Pipes integriert die RSS-Feeds der verschiedenen Anwendungen (Wiki, Blogs, Kommentare, etc.) (Mash-up)
    • WallWisher eignet sich, um multimediale “Post-it” Notizen (z.B. für Brainstorming) zu sammeln
    • Twitter ist der Micro-Nachrichten. Dienst (Wesch sagt, in Zukunft möchte er Jott nutzen, um in Präsenzveranstaltungen via Spracherkennung gesprochene Mitteilungen zu Twittern).
    • Diigo, ein Social-Bookmarking-Dienst kommt dazu, nicht nur für das Sammeln von Links, sondern auch um Webseiten zu annotieren und über die Links zu diskutieren.
    • Ein YouTube Kanal zum Kurs für die selbstproduzierten Videos darf nicht fehlen.
    • Wordpress ist das Blogtool für den bzw. die Blogs zum Kurs.
    • Für die Datenerfassung bei speziellen Forschungs-Übungen kommt Zoho Creator zum Einsatz.
    • Im aktuellen Kurs ist die Facebook iPhone-App nicht mehr einbezogen, die Ablenkung war wohl doch zu stark. Diese Facebook-App hatte Wesch anfangs noch als Anreiz für die Studierenden dazugenommen, über die Kursplattform ihre Facebook-Site im Auge zu behalten und dadurch Entdeckungen auf der Kursplattform zu machen.

    Seine Schlussworte im Vortrag sind “We generally move from closed to open system, from control to enable, from structure to platform.” Mein Fazit lautet: Sein “LMS” würde ich eine Open Learning Participation Platform nennen.

    14. Juli 2010

    Neubesetzung in der Redaktion

    In der Redaktion des Newsletters “Learning Waves – Die Zukunft von Lernen und Wissen” ist neu seit Anfang Juni 2010 Thomas Zweifel verantwortlich. Er hat den Bachelor of Arts in BWL an der Universität St. Gallen abgeschlossen und strebt derzeit einen Double Degree zwischen der Universität St. Gallen und der HEC Paris an. Parallel zu seiner redaktionellen Tätigkeit arbeitet er als Junior Consultant für HPO Management Consultants und als Career Service Assistant für The St. Gallen MBA. Für weiterführende Informationen zur Person und Werdegang: Link zur Website